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Nachfahren von Dr. Hans Frankenstein besuchen St. Carolus Krankenhaus Görlitz – Gedenktafel übergeben

Acht Nachfahren des ehemaligen Chefarztes der Kinderabteilung des St. Carolus Krankenhauses Görlitz, Dr. Hans Frankenstein, haben im Rahmen der Jüdischen Gedenkwoche Görlitz/Zgorzelec 2026 das Krankenhaus besucht. Im Mittelpunkt des Besuchs stand die Übergabe einer Gedenktafel, die künftig im Erdgeschoss des Hauses dauerhaft an Dr. Hans Frankenstein erinnern wird.

Die Familie reiste aus Hararit in Galiläa nach Görlitz an. Der Besuch folgte unmittelbar auf die Verlegung von Stolpersteinen vor dem ehemaligen Wohnhaus der Familie in der Augustastraße.

Rundgang durch historische Orte des St. Carolus Krankenhauses

Im St. Carolus Krankenhaus wurden die Gäste von Stephanie Hänsch, Leiterin Unternehmenskommunikation, sowie Diakon Bernd Schmuck empfangen. Der gemeinsame Rundgang führte durch die historische Fotoausstellung des Hauses, in die Kapelle und in den Caroluspark.

Im Zentrum standen Gespräche über die Geschichte des Krankenhauses, die Arbeit der Ordensschwestern sowie die Rolle jüdischer Ärztinnen und Ärzte in der frühen Entwicklung des Hauses. Neben historischen Erinnerungen aus der Krankenhausgeschichte wurde viel über die abenteuerliche Flucht der Familie Frankenstein gesprochen.

Übergabe einer Gedenktafel für Dr. Hans Frankenstein

Eine Gedenktafel für Dr. Hans Frankenstein wurde symbolisch den Nachfahren übergeben und wird in den kommenden Wochen im Erdgeschoss des St. Carolus Krankenhauses Görlitz dauerhaft angebracht.

Dr. Hans Frankenstein: Chefarzt der Kinderabteilung von 1929 bis 1933

Dr. Hans Frankenstein leitete von 1929 bis 1933 die Kinderabteilung des St. Carolus Krankenhauses. Nach der Machtübernahme der Nationalsozialisten wurde er aufgrund seiner jüdischen Herkunft aus seiner Position entlassen und musste mit seiner Familie Deutschland verlassen.

Seine medizinische Arbeit setzte er später im Ausland fort. Die Erinnerung an ihn steht heute stellvertretend für viele jüdische Ärztinnen und Ärzte, deren Wirken in Deutschland durch die nationalsozialistische Verfolgung beendet wurde.

Erinnerungskultur im St. Carolus Krankenhaus Görlitz

Die Krankenhausleitung des St. Carolus Krankenhauses betont die Bedeutung der Erinnerung: „Das Leben und Wirken von Dr. Hans Frankenstein erinnert uns daran, dass Menschlichkeit, Fürsorge und ärztliche Verantwortung keine Herkunft, Religion oder Weltanschauung kennen. Dafür stehen wir als Krankenhaus auch heute ein.“

Nachum Paran, Angehöriger der Familie Frankenstein, äußerte sich dankbar zum Besuch: „Many thanks for your kind hospitality. It was a very emotional visit for us. We hope to keep a long term relation with you and your colleagues.“

St. Carolus Krankenhaus Görlitz zwischen Geschichte und Gegenwart

Das St. Carolus Krankenhaus blickt auf fast 100 Jahre Geschichte zurück. Es hat gesellschaftliche Veränderungen, politische Umbrüche und medizinische Entwicklungen durchlaufen und befindet sich heute in einem fortlaufenden Transformationsprozess.

Das St. Carolus Krankenhaus wurde 1927 eröffnet und entwickelte sich früh zu einem wichtigen medizinischen Standort in der Region Görlitz. Zahlreiche Ärztinnen und Ärzte sowie die Ordensschwestern prägten die medizinische Versorgung über Jahrzehnte hinweg. Fast 100 Jahre Geschichte liegen zwischen Dr. Hans Frankensteins Zeit als Chefarzt und diesem Besuch. „Ein Krankenhaus lebt nicht nur von seinen Gebäuden. Es lebt von den Menschen, die seine Geschichte geprägt haben – damals wie heute“, sagt Daniela Kleeberg, Standortleiterin und seit über 30 Jahren am St. Carolus Krankenhaus tätig.

Die Erinnerung an die Geschichte ist Teil der heutigen Identität des Hauses und wird durch Projekte wie die Gedenktafel für Dr. Hans Frankenstein sichtbar gehalten.